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Wunder aus Trümmern

Wesel – Die wirtschaftliche Entwicklung einer zerstörten Stadt

Das grenzüberschreitende Kulturgeschichtliche Museumsnetzwerk Rhein-Maas hat für alle Museen und Kulturschaffenden des Niederrheins und der angrenzenden Niederlande für 2019 das Themenjahr „NEULAND – Terra incognita“ ausgerufen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war die Stadt Wesel fast vollständig zerstört. Die Weseler mussten Neuland betreten, denn es gab kein Vorbild für den wirtschaftlichen Aufbau einer derart zerstörten Stadt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die wirtschaftliche Entwicklung nach 1945. Das Projekt führt die Wiederaufbauausstellung aus dem Jahr 2009 mit einer neuen Fragestellung fort. Wie lief die Ansiedlung von Gewerbebetrieben, der Wiederaufbau des Einzelhandels in der Innenstadt und das Ringen um große Industriebetriebe ab?

Der erste Schwerpunkt der Ausstellung ist ein geschichtlicher. Gezeigt werden die wichtigsten Entwicklungsschritte der Industrialisierung von den wilden Ansiedlungen nach Kriegsende bis zur systematischen Wirtschaftsförderung ab Mitte der 1950er Jahre. Pioniergeist, Mut und Risiko haben den industriellen, infrastrukturellen und kulturellen Wiederaufbau Wesels erst möglich gemacht.

Der zweite Schwerpunkt ist ein erzählender. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erinnern sich, wie damals in Wesel gearbeitet und gelebt wurde. Denn wer weiß heute noch, in welchen Geschäften man in den 1950er und 1960er Jahren die Dinge des täglichen Bedarfs kaufen und wie man die Freizeit verbringen konnte? Welche großen und kleinen Arbeitgeber prägten das wirtschaftliche Leben in dieser Zeit?

Die Ausstellung spürt dem Zeitgeist der Wirtschaftswunderjahre nach. Viele eindrucksvolle Fotos und zeitgeschichtliche Exponate erinnern an spektakuläre Ereignisse und Alltägliches.

Die Zeit der Wirtschaftswunderjahre - „Wohlstand für alle!“

KfZ-Kennzeichen der britischen
Besatzungszone

Die 1950er Jahre gelten als die Zeit des Wirtschaftswunders. Das Schlagwort beschreibt das unerwartet schnelle und nachhaltige Wirtschaftswachstums in der Bundesrepublik Deutschland nach deren Gründung. „Wohlstand für alle“ lautete der Slogan von Wirtschaftsminister Ludwig Ehrhard.

Einer der Motoren dieser Entwicklung war die Währungsreform am 20. Juni 1948, die in den drei west-lichen Besatzungszonen die Deutsche Mark einführte.

Autos als Symbol gewachsener
Wirtschaftskraft (1960er)
(Foto Eva Becher)

Ein Symbol des neugewonnenen Wohlstands war das Auto. Auf vielen Fotografien dieser Jahre sind heute ausländisch wirkende Autokennzeichen zu sehen. Das Auto auf dem Leitmotiv dieser Ausstellung (z.B. auf dem Vorhang am Eingang) trägt ein Kfz-Kennzeichen mit BR–789–604. BR ist das Kürzel für die britische Besatzungszone (B) in Nordrhein-Westfalen (R). Die erste Nummer (789) deutet auf ein Auto aus Düsseldorf hin, während für Wesel die Nummern 420–429 galten. Dieses System wurde in den westlichen Besatzungszonen 1948 eingeführt und bestand bis 1956.

Weitere Stichworte dieser Zeit sind: